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02030 Lungenkrebs-Screening mittels Low-Dose-CT (LDCT)

Der Beitrag widmet sich der Einführung des organisierten Lungenkrebs-Screenings in Deutschland ab 2026 auf der Basis der LuKrFrühErkV und des G-BA-Beschlusses. Die Autorin zeigt, für welche Hochrisikogruppen (Alter, Packjahre, Rauchstatus) das jährliche LDCT-Screening vorgesehen ist, welche Ausschlusskriterien gelten und wie das Verfahren organisatorisch in spezialisierten Zentren verankert werden soll. Im Fokus stehen standardisierte Low-Dose-CT-Protokolle mit effektiven Dosen unter 1 mSv, technische Parameter (z. B. kVp, mA, Schichtdicke, iterative Rekonstruktion) sowie strukturierte Befundung nach Lung-RADS und volumetrische Knotenbewertung auf der Basis von Daten aus NLST- und NELSON-Studien. Zudem beschreibt die Autorin erweiterte Anforderungen an die technisch-physikalische Qualitätssicherung, die Rolle von Referenzzentren sowie eine SOP für die praktische Umsetzung einschließlich Patientenvorbereitung, Dokumentation und Nachsorge.
Sie erhalten einen kompakten Handlungsrahmen, um LDCT-Screening-Angebote rechtssicher, leitlinienkonform und qualitätsgesichert aufzubauen oder in bestehende Strukturen zu integrieren. Sie können die beschriebenen SOP-Elemente und technischen Vorgaben direkt nutzen, um hausinterne Protokolle, Qualitätsprozesse und Schulungskonzepte zielgerichtet anzupassen.
von:

1 Handlungsempfehlung für das Screening

Start ab April 2026
Mit dieser Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung (LuKrFrühErkV) und dem G-BA-Beschluss vom 18. Juni 2025 ist das Lungenkrebs-Screening als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung eingeführt worden. Der Start der flächendeckenden Umsetzung in Deutschland wird ab April 2026 erwartet.
Im Lungenkrebs-Screening kommt eine Vielzahl unterschiedlicher CT-Geräte, Softwareversionen und Untersuchungsprotokolle zum Einsatz. Nicht standardisierte Akquisitions- und Rekonstruktionsparameter können die Volumenmessung von Lungenrundherden und die Bestimmung von Wachstumsraten erheblich beeinflussen.
Qualitätssicherung anpassen
Neben den technischen Anforderungen und Parametern für Low-Dose-CT im Lungenkrebs-Screening spielt auch die Qualitätssicherung eine wichtige Rolle. Die technisch-physikalische Qualitätssicherung von CT-Geräten beschränkt sich derzeit im Wesentlichen auf die normativ geforderten Abnahme- und Konstanzprüfungen. Für die klinische Diagnostik sind diese ausreichend, für quantitative Auswertungen von Niedrigdosis-CT-Untersuchungen – insbesondere zur Bestimmung der Volumenverdopplungszeit – jedoch nicht zwangsläufig geeignet. Zusätzliche Anforderungen an die Qualitätssicherung sind daher zu definieren.
Einheitliche europäische Richtlinien zur technisch-physikalischen Qualitätssicherung existieren bislang nicht.

1.1 Zielgruppe für das Screening

Ausschlusskriterien
Das Screening ist vorwiegend für Personen empfohlen, die ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs aufweisen. Dazu gehören Personen im Alter von 50 bis 80 Jahren mit einer Raucheranamnese von mindestens 20 Packjahren, also einer Packung pro Tag über 20 Jahre. Sowohl aktive Raucher als auch ehemalige Raucher, die in den letzten 15 Jahren mit dem Rauchen aufgehört haben, sollen an dem Screening teilnehmen.
Ausschlusskriterien umfassen Symptome, die auf bereits manifesten Lungenkrebs hindeuten, eine Lebenserwartung von unter fünf Jahren aufgrund anderer schwerer Erkrankungen sowie die Unfähigkeit oder Unwilligkeit, an einer kurativen Therapie teilzunehmen.

1.2 Screening-Methode

Die empfohlene Screening-Methode ist die Niedrigdosis-Computertomografie (Low-Dose-CT oder SDCT), die jährlich durchgeführt werden soll. Die Strahlenbelastung liegt dabei unter 1 mSv pro Untersuchung, was die Methode besonders schonend macht. Die Durchführung sollte in spezialisierten Zentren erfolgen, die über die notwendige Erfahrung und Ausstattung verfügen.

1.3 Qualitätsanforderungen

Um die Qualität des Screenings zu gewährleisten, ist eine Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) erforderlich. Zudem sollte ein interdisziplinäres Team aus Experten der Radiologie, Pneumologie, Onkologie und Thoraxchirurgie involviert sein. Die Teilnahme an Qualitätssicherungsprogrammen und die Erfassung in entsprechenden Registern sind ebenfalls unerlässlich.

1.4 Kostenübernahme und Implementierung

Derzeit können in Deutschland Raucher und Ex-Raucher unter bestimmten Voraussetzungen die strahlungsarme CT-Untersuchung als Selbstzahlerleistung in Anspruch nehmen. [1] Seit Juli 2024 ist dies möglich. Zukünftig wird eine entsprechende Richtlinie vom Gemeinsamen Bundesausschuss erwartet, die voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 in Kraft treten soll. [1]

1.5 Empfehlungen für die Praxis

Vor dem Screening sollte eine umfassende Aufklärung über Nutzen, Risiken und mögliche Folgemaßnahmen erfolgen. Es ist wichtig, den Rauchstatus, die Zahl der Packjahre, Vorerkrankungen sowie die Screening-Ergebnisse sorgfältig zu dokumentieren. Bei auffälligen Befunden sollte eine zeitnahe weiterführende Diagnostik, etwa eine Biopsie oder PET-CT, durchgeführt werden. Zudem sollte eine aktive Unterstützung bei der Tabakentwöhnung angeboten werden, um das Risiko für Lungenkrebs langfristig zu reduzieren.

2 Detaillierte technische Anforderungen und Parameter für Low-Dose-CT im Lungenkrebs-Screening

2.1 Strahlenbelastung

Das Ziel ist eine effektive Strahlendosis von unter 1 mSv pro Untersuchung, typischerweise im Bereich von 0,5-1,0 mSv. Dies dient dazu, das Risiko durch Strahlenexposition so gering wie möglich zu halten. Zum Vergleich: Eine konventionelle CT-Untersuchung des Thorax führt zu einer Strahlendosis von etwa 5-7 mSv. Durch die Reduzierung der Dosis wird das potenzielle Risiko, insbesondere bei jährlicher Anwendung über mehrere Jahre, minimiert.

2.2 CT-Protokolle

Die CT-Protokolle sind entscheidend für die Qualität und Sicherheit der Untersuchung. Sie umfassen folgende Parameter:
Scanbereich: Der Scan wird durchgeführt vom Bereich der Lungenspitze bis zum Zwerchfell, manchmal auch bis zu den Oberbauchorganen, je nach Protokoll. Dieser Bereich ermöglicht eine umfassende Untersuchung der Lungen und angrenzender Strukturen.
Schichtdicke: Dünnschichtaufnahmen mit einer Dicke von ≤1,5 mm, häufig 1 mm oder 0,75 mm, werden verwendet, um kleine noduläre Läsionen, die für die Früherkennung von Lungenkrebs entscheidend sind, gut zu erkennen.
Rekonstruktion: Hochauflösende Rekonstruktionen („lung window”) werden eingesetzt, um die Darstellung von Lungenstrukturen zu verbessern.
Iterative Rekonstruktionsalgorithmen wie ASIR oder SAFIRE werden genutzt, um das Bildrauschen bei niedriger Dosis zu reduzieren und somit die Bildqualität zu erhalten.
Weitere Parameter umfassen:
Röhrenspannung (kVp): 100-120 kVp, abhängig von der Patientengröße
Röhrenstrom (mA): Niedrig, oft automatisch angepasst, z. B. 20-50 mA
Rotationszeit: Ca. 0,5 Sekunden
Pitch (Tischgeschwindigkeit): 0,9-1,2
Der Scan wird in der tiefen Inspirationsphase durchgeführt, um Überlagerungen zu vermeiden und die Lunge maximal zu entfalten.
Ziele der Parameter:
Niedrige Strahlendosis: Minimiert das Risiko, besonders bei jährlicher Anwendung über mehrere Jahre.
Dünnschichtaufnahmen: Ermöglichen die Erkennung kleiner Lungenknötchen (<5 mm), was für eine Früherkennung entscheidend ist.
Iterative Rekonstruktion: Verbessert die Bildqualität trotz reduzierter Dosis.
Standardisierte Befundung: Ermöglicht Vergleichbarkeit und reduziert Über- bzw. Unterdiagnosen.

3 CT-Protokolle und Empfehlungen aus NLST & NELSON-Studie

3.1 NLST (National Lung Screening Trial, USA) [2]

Technische Parameter
Im Rahmen des National Lung Screening Trial (NLST) in den USA wurde ein Low-Dose-CT-Protokoll (LDCT) ohne Kontrastmittel eingesetzt. Die durchschnittliche Strahlendosis lag bei etwa 1,5 mSv, was etwas höher war als die heutigen Standards, da die Studie älter ist. Der Scanbereich umfasste den Thorax von der Lungenspitze bis zum Zwerchfell, wobei eine Schichtdicke von weniger als 2,5 mm verwendet wurde. Die Scanzeit betrug weniger als 25 Sekunden, und die Röhrenspannung lag bei 120-140 kVp. Der Röhrenstrom wurde automatisch angepasst und lag im Bereich von 40-80 mA. Die Rekonstruktion erfolgte in Standard- und hochauflösenden Lungenfenstern (lung window). Die Bildauswertung wurde primär visuell durch Radiologen durchgeführt, wobei Nodulgrößen von 4 mm oder mehr als relevant betrachtet wurden.
Die Ergebnisse der Studie zeigten eine Reduktion der Lungenkrebssterblichkeit um 20 % durch jährliches Screening über einen Zeitraum von drei Jahren.

3.2 NELSON (Dutch-Belgian Lung Cancer Screening Trial) [3]

LDCT-Protokoll
Die NELSON-Studie, ein niederländisch-belgischer Studienverbund, verwendete ebenfalls ein Low-Dose-CT-Protokoll (LDCT) ohne Kontrastmittel. Die durchschnittliche Strahlendosis lag bei etwa 0,7 mSv, was modernen LDCT-Protokollen entspricht. Der Scanbereich umfasste die Lungenspitze bis zum dorsalen Recessus, und die Schichtdicke wurde auf 1 mm oder dünner festgelegt. Die Röhrenspannung lag bei 100-120 kVp, abhängig von der Körpergröße des Patienten, und der Röhrenstrom wurde automatisch angepasst, typischerweise im Bereich von 30-50 mA. Die Rekonstruktion erfolgte mithilfe iterativer Algorithmen zur Minderung des Bildrauschens.
Die Bildauswertung umfasste eine quantitative und volumetrische Beurteilung von Lungennoduli, wobei Volumen und Wachstum in die Entscheidungen einbezogen wurden. Die Ergebnisse zeigten eine Reduktion der Lungenkrebssterblichkeit um bis zu 26 % bei Männern und sogar höhere Werte bei Frauen.

3.3 Gemeinsame Merkmale beider Studien

Beide Studien teilten mehrere gemeinsame Merkmale:
Der Scanbereich umfasste in beiden Fällen die Lungenspitze bis zum dorsalen Recessus.
Die Strahlendosis lag bei etwa 1,5 mSv in der NLST und 0,7 mSv in der NELSON-Studie.
Die Schichtdicke war in der NLST mit 1,25 mm etwas dicker als in der NELSON-Studie, die auf 1 mm oder dünner setzte.
Die Röhrenspannung lag bei 120 kVp in der NLST und zwischen 100 und 120 kVp in der NELSON-Studie.
Der Röhrenstrom wurde in beiden Studien automatisch angepasst, wobei die NELSON-Studie mit durchschnittlich 30-50 mA etwas niedrigere Werte aufwies.
Während die NLST Standard- und Lungenfenster-Rekonstruktionen verwendete, setzte die NELSON-Studie auf iterative Rekonstruktionsverfahren.
Die Bildauswertung unterschied sich darin, dass die NLST vorwiegend visuelle Beurteilungen durchführte, während die NELSON-Studie auch volumetrische Messungen und Wachstumskontrollen einbezog.
Das Screeningintervall war in der NLST auf jährliche Untersuchungen über drei Jahre beschränkt, während die NELSON-Studie jährliche Untersuchungen für zwei Jahre und danach individuelle Intervalle vorsah.

3.4 Umsetzung in der Praxis

Die Ergebnisse der NLST- und NELSON-Studien haben wichtige Impulse für die praktische Anwendung von Low-Dose-CT-Untersuchungen gegeben:
Nutzung moderner CT-Geräte: Diese ermöglichen niedrige Dosen bei gleichzeitig hoher Bildqualität.
Einsatz von iterativen Rekonstruktionsverfahren: Diese reduzieren das Bildrauschen und ermöglichen noch geringere Strahlendosen.
Volumetrische Messungen: Sie erlauben eine präzise Verlaufsbeurteilung von Lungenknoten.
Standardisiertes Reporting: Die Verwendung von Klassifikationssystemen wie Lung-RADS unterstützt eine einheitliche und zuverlässige Befundung.
Diese Empfehlungen tragen dazu bei, die diagnostische Sicherheit zu erhöhen und die Lungenkrebssterblichkeit durch frühzeitiges Screening weiter zu reduzieren.

4 Qualitätssicherung

Gemäß § 7 der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung (LuKrFrühErkV) ist der Strahlenschutzverantwortliche verpflichtet, ein umfassendes Qualitätssicherungssystem einzurichten und zu betreiben. Dieses hat organisatorische, medizinische und technische Aspekte zu berücksichtigen, insbesondere die diagnostische Bildqualität der Computertomografie sowie die physikalisch-technischen Parameter bei der Erstellung der CT-Aufnahmen.
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